Sex, Fashion und emanzipierte Nerds: Die neue Bibliophilie.
Es ist ja eigentlich nichts Neues mehr. Schon bei Dante war das Buch nicht einfach nur ein Buch, sondern ein Medium verbotener Liebe (aka Sex): Über einem Lancelot-Buch sitzend ‘begegnen’ sich Paolo und Francesca, werden von Paolos Bruder und Francescas Verlobten Guido entdeckt, ermordet und wachen schließlich im fünften Gesang von Dantes ’Inferno’ auf. Werthers Bücherfetisch (und der Goethes) sind ja bekannt, genauso wie der Hamlets, Momos und weiß der Himmel wer noch. Nein, neu ist es sicherlich nicht.

In Szene gesetzt: Paolo und Francesas Verhängnis, das Buch.
Und dennoch. Wenn ich so durch die Straßen gehe, kommt mir immer wieder der Gedanke, dass Bücher heute gar nicht mehr nicht als Fashion-Objekte gesehen werden können. Klar, das waren sie schon immer, nur ist das Ausmaß heute ein ganz anderes. Denn es ist schon lange nicht mehr nur das Buch selbst. Macbook-Hüllen im Stil antiquarischer Bücher, T-Shirts mit dem Aufdruck “Reading is sexy”, auffällige schwarze (und meistens viel zu große) Brillen mit Linsen aus Fensterglas, Halsketten mit Miniatur-Bücherregalen: Entkommen ausgeschlossen: ‘bedruckte’ Fingernägel, Bücherlampen (Bücher aus alten Lampen), ja sogar Kleider aus Buchseiten. Ich selbst trage täglich eine ‘Upcycling’-Tasche aus Samt, Photographien und Zeitungspapier spazieren (und natürlich zumindest zwei Bücher + Kindle). Und vor kurzem bin ich sogar Cupcakes mit Bücher-Glasur über den Weg gelaufen.



